RB-Leipzig-Fans für Friedensnobelpreis nominiert

Vor acht Tagen saß Deutschland in der Hysteriefalle. Wir hatten nichts. Nichts, was uns so wirklich aufregt. Nichts ließ uns das Ende der Welt, der Demokratie, des Abendlandes herbeiphantasieren. Die Klimakatastrophe zieht sich träge in die Länge. Donald Trump ist irgendwie langsam Alltag. Die Flüchtlingskrise birgt kaum noch  Schnappatmungspotential. Die vor der Frauenkirche erigierten Busse lösen nur regionalen Hysteriereflexe aus. Continue reading „RB-Leipzig-Fans für Friedensnobelpreis nominiert“

Wir sind nicht mehr das Böse!

Ein Spiel hat 90 Minuten. Tor ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Am Ende gewinnen immer die Deutschen. Dynamofans sind gewalttätig. Diese simplen Wahrheiten gehörten zum Repertoire eines jeden durchschnittlich gebildeten Fußballfans.  Ja, ihr habt richtig gelesen. GEHÖRTEN. Denn die aktuelle Statistik der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) enthüllt erschreckendes. Wir haben unseren Platz in der bundesdeutschen Randalespitzengruppe verloren! Continue reading „Wir sind nicht mehr das Böse!“

Dynamofan-Entschuldigung

Und schon hat die gerade erst geweißte Dynamoweste den ersten hässlichen Fleck. Beim Bielefelddebüt hinterließ das Dynamo-Randale-Battallion seine Visitenkarte. Gibts nichts zu relativieren oder schönzureden. Auch wenn es das bei allen Vereinen gibt und die Medien unsere Randale wie immer besonders blumig ausschmücken, macht das eine falsche Sache nicht richtig. Continue reading „Dynamofan-Entschuldigung“

Spuckelch-Nominierung für den 1. FC Köln

Vorwort: Der im folgenden beschriebene Artikel wurde im Laufe des 19. Juli von der Seite des 1. FC Köln gelöscht bzw. so umgeschrieben, dass alle dummen Passagen raus sind. So größenwahnsinnig anzunehmen, dass dies eine Reaktion auf die Nominierung darstellt, ist der Spuckelch noch nicht ganz. Gehen wir mal davon aus, dass die Kommunikationsabteilung der SGD erfolgreich interveniert hat. Über den Wortlaut des Artikels verfüge ich nach wie vor, allerdings sehe ich keinen Sinn darin, diesen nochmal zu veröffentlichen. Wenn der FC die Auszeichnung verschmäht, soll er auch nicht die Loorbeeren ernten … 

Hier gehts los:

Die erste Nominierung für den Spuckelch der Saison 2013/14 geht an den 1. FC Köln. Konkret wird dem auf ihrer Homepage veröffentlichten Text „Der erste Gegner“ diese Ehre zuteil. Darin wird vorgegeben, die Fans auf das Spiel am Samstag einzustellen. Trotz der unspektakulär daher kommenden Überschrift, wird in den folgenden Zeilen gleich mit der Tür ins Haus und damit über Dynamo her gefallen. So gelingt es, den unbescholtenen FC-Fans zu erklären, worum es in Dresden eigentlich geht.
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Knüppel auf den Sack

Und plötzlich war es dunkel und ich steckte in diesem Sack. Dann fuhr der Knüppel nieder. Bildschirmfoto 2013-02-13 um 11.15.23Wieder und wieder. Immerhin bin ich nicht allein. Mich umgeben reichlich Büßer. Etwas wabbliges meiner Nachbarschaft schützt mein Gesicht vor Wirkungstreffern. Hoffe es ist ihre Brust oder wenigstens nur sein Bauch. Der langjährige Auswärtsfahrer hinter mir macht sich mit dem Summen von Dynamo Liedern Mut. Rührend.

Ich glaube, ganz hinten rechts schrie jemand, dass er gehört habe, sein Nebenmann kenne jemand, der unter einem liege, bei dem hätten die Knüppelschläge den Richtigen getroffen. Na bitte. Funktioniert doch!

Ich meine auch von außen einige Stimmen gehört zu haben, die die plakative Farbe des Sackes und das öffentlichkeitswirksame Design des Knüppels lobten. Jaja, so kennen wir sie. Für eine nachhaltige Problemlösung werden sie schonmal kreativ!

Da hält man doch gerne seinen Kopf hin.

Touret-Ballett

Ich hab die Schnauze voll.  Ich kann es nicht mehr hören, lesen, ertragen.  Kaum wird beim Dynamo-Trauerspiel randaliert und gepyrotechnikt, zeigen alle normalen Menschen, dass sie die Guten sind. Jetzt – nach Kaiserslautern – wieder. Aber Warum? Pflichtbewusst findet man schlechtes Benehmen total Scheiße und rechtfertigt sich für das Verhalten Fremder.

Es wird mit roten Karten rumgewedelt. Bei Facebook gründet sich sogar eine Feuer-und-Flamme-für-Dynamo-Gruppe, in der man sich zum  gemeinsamen Liebsein versammelt und wahrscheinlich soll auch dem Bösen die Stirn oder was auch immer geboten werden. Alles gut gemeint! Aber warum? Um den Verein zur retten? Den Verein, der seit 23 Jahren mehr oder weniger im Wachkoma verharrt und sich das Wort Existenzbedrohung langsam mal als Marke schützen sollte. Oder hoffen sie gar jene Tiefflieger zu erreichen, die ihr fehlendes Selbstwertgefühl mit dem Ehre-Stärke-Dynamo-Quatsch zu kompensieren versuchen. Bei jenen bleibt die gesendete Information doch auf der Suche nach einen Ort, wo sie geistig verarbeitet werden könnte, im kongnitiven Treibsand stecken.

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Mit Jung-Bullen zum Stierkampf

Micky Beisenherz widmete sich in der ZDFNeo Serie „German Angst“ dem Thema „Angst vor Gewalt“. Das passt prima in die Zeit und die Art der Umsetzung prima in den Zeitgeist. Hipp und verwackelt werden eine halbe Stunde Plattitüden und Sprüche mit boulevardesken Täter- oder Opfer-Interviews vermengt. Continue reading „Mit Jung-Bullen zum Stierkampf“

Dynamo und Köln. Eine mediale Momentaufnahme

Am Wochenende trugen sich im Dunstkreis von Fußballspielen die üblichen blamablen Entgleisungen des ein oder anderen Fans zu. Zwei von ihnen schafften es zu einer größeren medialen Präsenz. Zwei Fälle, die von ihrer Dramatik kaum unterschiedlicher sein könnten. Ohne die Taten auf Hintergrund und Wahrheitsgehalt geprüft zu haben – vor allem im Fall der Dresdner gibt es eine glaubhafte Alternativversion, – lege ich mal die medial verbreiteten Varianten der beiden Vorfälle zu Grunde.

Fall 1: Ein paar zugfahrende Dynamos bepöbeln einen türkischen Familienvater und bedrohen ihn mit Bierflaschen. Die Bundespolizei nimmt drei Personen fest.

Fall 2: Kölner Fans griffen offenbar gezielt einen auf der Autobahn fahrenden Gladbacher Fanbus an. Drängen ihn von der Straße auf einen Rastplatz und bewerfen ihn dort mit Steinen. Die Polizei nimmt die Personalien der Täter auf.

Nun könnte die Aktion der Kölner durchaus kritischer und aggressiver bewertet werden – auch ich vertrete diesen Standpunkt. Zumal es sicher nicht unverschämt ist zu behaupten, dass wöchentlich Dutzende Bürger von betrunkenen Fußballfans in Zügen, Bussen, Straßenbahnen und auf der Straße vollgenölt werden. Doch wenig überraschend folgt die Berichterstattung einer anderen Gewichtung.

Mal bei Google News nachgezählt (5. März, 16.35 Uhr).

Zuerst Köln

Dann Dresden:

133:51 für Dynamo!

Auch wenn man berücksichtigt, dass bereits Artikel über die Reaktion der Dresdner Vereinsführung dabei sind und der Kölner Vorfall erst Sonntag geschah, kann ein gewisses Ungleichgewicht nicht wegdiskutiert werden (Über die Dynamos im Zug waren Sonnabend Früh bereits 41 Artikel bei google news zu finden).

Und in meiner nächsten Analyse werde ich prüfen, ob Weihnachten am 24. Dezember ist.

PS: Aktualisierung 6. März, 14 Uhr. Köln geht in Führung.

Neuer Stand: 156:161

Gemeinnützige Randale

Landauf landab werden randalierende und zündelnde Fußballfans stigmatisiert. Sie würden nicht zur Gemeinschaft der guten Fans gehören, nur auf Radau aus sein, es ginge ihnen nicht um Fußball, sie würden die Gesundheit des unbescholtenen Stadiongängers gefährden – bis es den ersten Toten gibt.

Dabei gibt es keine pubertierende Subkultur mit einem höheren sozialen Bewusstsein. Obwohl sie von allen Seiten der Gesellschaft nur Undank ernten, bringen sie sich Woche für Woche ein. Unermüdlich helfen sie sozial und gesundheitlich benachteiligten Menschen UND tragen ihren Teil zur Imagepflege des DFB bei.  Schließlich gehen die vom Verband eingesackten Strafen für die Untaten bengaloschwingender und schneeballwerfender Fans an DFB-nahe Stiftungen. 2011 wurden so mehr als 1 Mio. Euro zusammenrandaliert und gezündelt.

Darüber hinaus hat das Engagement dieser sozialen Fans einen wichtigen Platz in der positiven Außendarstellung des DFB. Scheckübergaben, bei denen professionell greinende Anzugträger abgekämpften Sozialarbeitern, optimistischen Rollstuhlfahrern oder ausgemergelten Armutsgesichtern (über die nun wieder der Hauch von Hoffnung huscht) routiniert die Hände schütteln, sind wesentlicher Teil professioneller Öffentlichkeitsarbeit.

Deshalb kann und darf der DFB diese Symbiose auch nicht aufgeben und Pyrotechnik legalisieren. Das muss sich auch die Initiative „Pyrotechnik legalisieren, Emotionen respektieren“ bewusst machen! Aus Nächstenliebe sollte vermummten Hauptes weitergezündelt werden. Andernfalls müssten die Fans die zuletzt erreichte Spendensumme wieder verstärkt mit ihren Fäusten erarbeiten. Denn ein plötzliches Versiegen der Gelder aus gemeinnützigen Randalen würde viele soziale Projekte in erhebliche wirtschaftlich Probleme manövrieren.

Das kann doch niemand wollen!