Das Prinzip Hoffnung

Dynamo ist in der 2. Liga angekommen. Nach dem Sieg gegen die Greuther, lehne ich mich mit dieser Aussage sicher nicht allzuweit aus dem Fenster. Leider habe ich da deutlich größere Anpassungsprobleme. Offensichtlich ist meine geistige Führung nicht so professionell aufgestellt, wie Dynamos sportliche. Ich habe mir viel vorgenommen, konnte dies aber im bisherigen Saisonverlauf nur selten abrufen. Oft fehlt im entscheidenden Moment die letzte Konzentration, was sofort bestraft wird.
Auf der Suche nach Dynamo-Nachrichten klicke ich bei www.kicker.de immernoch wie selbstverständlich auf den Verweis „3. Liga“.
In den kommenden Tagen muss ich eine Reaktion zeigen und mit einer geschlossenen Mentalleistung zu alter Stärke zurückfinden. Ich werde von Klick zu Klick denken und versuchen, in Einzelgesprächen dem Übel auf die Spur zu kommen, um mit einer Trotzreaktion die Antwort auf der Maus zu geben. Denn ich bin mir sicher, wenn ich immer ans Limit gehe, habe ich das Potential für die 2. Liga.

Das ist ein Liebesbrief

Liebste,

in diesem Jahr feierten wir unsere Bronze-Hochzeit. Es war ein rauschendes, extatisches Fest!

Als ich dich kennenlernte, hattest Du deine Unschuld bereits verloren. Aber ich verliebte mich sofort in diese MILF! Du wandeltest wie selbstverständlich auf europäischen Bühnen, warst weltgewandt und meisterhaft! Bewundernd schaute ich zu Dir auf! Kaum waren die wildesten Schmetterlinge im Bauch verflogen, gab es die erste Krise. Du lerntest eine neue Welt kennen, der goldene Westen lockte! Über Nacht wolltest Du eine Andere sein. Dein bisheriges Leben war nicht mehr fein genug. Sogar deinen Namen ändertest Du in 1. FC .  Damals warfst du dich Kerlen an den Hals, die deiner nicht würdig waren. Selbstherrliche, windige, feiste Businesskasper, die sich mit dir schmückten, ohne dich zu lieben. Sie verhökerten Deine Juwelen und versuchten Dich mit billigen Glasperlen aus dem Westen zu blenden. Sie nutzen dich aus, zogen dir das Geld aus der Tasche.  Du schlugst alle Warnungen in den Wind, lebtest im Vertrauen auf deine Schönheit nur noch auf Pump.

Trotzdem konntest du oft genug den aufgetakelten Bundesliga-Tussis die Show stehlen. Sehr zum Ärger ihrer Zuhälter in Frankfurt. Dankbar nahmen sie deinen lockeren, haltlosen Lebenswandel als Vorwand, dich mit einem Tritt aus der Beletage in die Gosse zu befördern. Ich kam mit. Auch wenn von deinem Glanz und deiner Schönheit kaum noch was zu sehen war. Deine Villa verkam längst zu einer Absteige und du musstest dich von nun an mit Dorfschönheiten messen. Ich war bei dir, versuchte dir Mut zu machen, wahrscheinlich vor allem, damit ich nicht den Mut verlor. Denn wir lebten uns immermehr auseinander, hatten uns nichts mehr zu sagen. Wenn du mich im gelben Jogginganzug, statt dem kleinen Schwarzen empfingst, wünschte ich mir, Dich nie kennengelernt zu haben. Immer wieder hattest Du Affären mit halbseitenen Rettern und von den  Schlägertypen kamst du auch nicht los. Sie durften sich vor deinen Augen, wie die Tiere aufführen, du zucktest nur mit den Schultern.  Der 1. September 2001 brachte das Fass zum Überlaufen. Ich trennte mich von Dir. Vor dem Spiel ließ ich dich einfach stehen und ging.

Um dich zu vergessen stürzte ich mich in leidenschaftslose Affären mit ein paar Bundesliga-Schicksen. Keine war wie du. Du gingst mir nie aus den Kopf. Wenn ich glaubte, du merkst es nicht, schielte ich dir nach. Stundenlang schaute ich mir alte Fotos von Dir an. Mit den Kumpels saßen wir mit roten Augen beim Bier und schwärmten davon, wie sexy du einst warst.

Schließlich machtest Du den ersten Schritt auf mich zu. 2003 begannst Du wieder, was aus Dir zu machen. Wie aus einem langen Drogentripp wachtest Du auf und erinnertest dich daran, wer du einst warst! Die stolze und schöne Diva – gehasst und vergöttert. Es war wieder da; Dein alles verzehrendes Feuer. 2006 kamst Du wieder ins Straucheln, alles sah nach einem Rückfall aus.  Du bliebst trocken! Wir redeten miteinander, hatten tolle gemeinsame Wochenenden. Unter dubiosen Umständen bautest du dir sogar ein Schloss an die Stelle deiner verfallenen Villa. Aber ich wollte es gar nicht so genau wissen, wie du dazu gekommen bist. Wichtig ist mir, dass wir wieder an den kleinen Dingen des Lebens gemeinsam Freude haben. Auch deinen neuen starken Männer, Volker und Steffen sind offenbar ganz in Ordnung. Leider hast du es immernoch nicht geschafft, die letzten Schlägertypen rauszuschmeißen. Trotzdem erlebten wir die Rückkehr der Schmetterlinge im Bauch. 2011 zogst Du das kleine Schwarze wieder an, sahst umwerfend aus und brachtest mich mit deiner alten Leidenschaft zu Höhepunkten, von denen ich seit Jahren nichtmal gewagt habe zu träumen. Wir liegen uns wieder in den Armen. Ich denke Tag und Nacht an Dich.

Ich liebe Dich, Dynamo!

PS: Sicher hast du es schon gemerkt: Die Frankfurter Luden schauen schon wieder argwöhnisch zu dir. Du bist wieder wer!

Das kleine Randale-Lexikon

Liebe Fußball-Fans!

In den vergangenen Wochen kam es in Diskussionsrunden zwischen echten und falschen Fans immer wieder zu Irritationen. Wesentlicher Grund ist das Fehlen einer gemeinsamen Sprache. Deshalb werden an dieser Stelle die wichtigsten Vokabeln der öffentlichen Debatte über den Niedergang  des friedlichen Stadionbesuchs erklärt.  Sie sollen helfen, Aufregungen bei Diskussionen zu vermeiden und gegebenenfalls eine verbale Hilfestellung beim Asche aufs Dynamo-Haupt streuen leisten.

Aneinandergeraten: gewalttätige Form des Fan-Kampfes auf Parkplätzen, bei denen Nicht-Dynamo-Dresden-Fans unter Einsatz von Fäusten, Füßen und technischen Hilfsmittel, bspw. Knüppel, nach dem Stärkeren suchen.

Auseinandersetzungen Steigerung des –> Aneinandergeratens mittels Werfen von Böllern und Steinen unter Ausschluss von Dynamo-Fans. Angriffe auf Ordner im Stadion, massives Abbrennen von Pyrotechnik.  Orientierungswert: acht verletzte Polizisten, ein vor dem Zug gestoßener Fan. Acht Festnahmen.

Berüchtigt: Adjektiv zur Beschreibung von für schlechten Eigenschaften und Taten bekannte Fans. Natürliches Vorkommen bei Dynamo Dresden. Wurde auch bei Eintracht Frankfurt, in Kaiserslautern und Rostock beobachtet.

Bürgerkriegsgähnliche Zustände: (Polizeijargon), Hervorgerufen durch –>  100 Kilo Hünen. Die Ähnlichkeit zum Bürgerkrieg entsteht durch –> berüchtigte Dynamo-Dresden-Fans, die Pyro und Knaller im Block zünden, Flaschen und Böller auf Polizisten werfen, Sitzschalen herausreißen und Werbebanden demolieren. Die Polizei setzt Schlagstöcke und Tränengas ein, um den Gewaltausbruch des Versuchs, die Pufferzone zu durchbrechen, einzudämmen. Orientierungswert: 17 Verletzte, 15 Festnahmen.

Dynamo Dresden: Status gewordenes Exempel der Ordnungspolitik des DFB.  Medialer Stehsatz für –> üble Randale, –> bürgerkriegsähnliche Zustände. Sammelbecken von –> so genannten, –>  unverbesserlichen –>  berüchtigten Fans und –> 100 Kilo Hünen,

Erfolgreiches Einsatzkonzept: Polizeijargon für Fußball-Einsatz ohne Dynamo-Fan-Beteiligung. Als Mittelwert derartigen Erfolgs können folgenden Kriterien angeführt werden: 2 Spielunterbrechungen durch  Rauchbomben, Pyrortechnik und Knallkörper. Unstimmigkeiten zwischen den Fanlagern werden mit Glasflaschen in rauen Mengen, Dosen, Steinen, Stöcken und Spaten  geregelt, ohne das Einsatzkonzept zu gefährden. Orientierungswert: mehrere Verletzte, 35 Festnahmen

Horden von 100-Kilo-Hünen: Eliteform der –> „so genannten Fans“ bei Dynamo Dresden. Dank ihrer bloßen Erscheinung machen sie Einlasskontrollen zu einem Sicherheitsrisiko für die Ordnungskräfte. Durch diese Überlegenheit gelingt es ihnen, Pyrotechnik und ihre Fäuste ins Stadion zu schmuggeln.

Insgesamt gelungenes Einsatzkonzept: kritische Variante des –> „erfolgreichen Einsatzkonzepts“. Polizei-Jargon für Spiele ohne Dynamo-Dresden-Beteiligung, bei denen „nur einige hundert Fans randaliert“ haben. Zum Gelingen des Einsatzkonzeptes tragen u. a. ein zerstörter Eisenbahnwaggon, Flaschenwürfe auf Busse und Straßenbahnen, eine herausgetretenen Straßenbahnscheibe, –> Auseinandersetzungen von Fans im Stadion bei. Abgerundet wird der Erfolg durch die Fantrennung mittels Pfefferspray und Schlagstöcken.

Keine schwerwiegenden Vorfälle: Von Nicht-Dynamo-Fans geworfene Böller, die bei zwei Polizisten und einer unbeteiligten Frau ein Knalltrauma erzeugen.

Randale: im ursprünglichen Sinn, Ausdruck für zerstörerische und gewalttätige Taten von Fußballfans. Mangels relevanter Ereignisse findet der Begriff neuerdings nahzu ausschließlich im Zusammenhang mit dem Abbrennen von Pyrotechnik Verwendung.

Randale, üble (auch Krawalle, böse):  Dresdner Form des –> Aneinandergeratens. Hervorgerufen durch –> 100 Kilo Hünen, die versuchen, gegnerische Fans anzugreifen, was durch Polizei verhindert wird. Daraufhin Schlägerei von 80 Personen. Orientierungswert:  drei Verletzte und neun Festnahmen.

Selbstreinigungskräfte: Fangruppeninternes Verhalten, mit dem –> „so genannte Fans “ zu –> wahren Fans sozialisiert werden. Ermöglicht erfolgreiche und gelungene Einsatzkonzepte. Wurde in Dresden bisher nicht beobachtete.

So genannte Fans:  Stadiongänger, denen es nicht um das Erlebnis des Fußballkonsums geht, sondern durch –> unverbesserliches –> berüchtigtes Verhalten Sicherheit und Gesundheit der –> „wahren Fans“ bedrohen.

Ultras: regionale Sammelbecken von –> so genannten Fans,  –> 100 Kilo Hünen oder –> Zigarettenbürschles

unverbesserlich: Verhalten so genannter Fans. Bisher einzig anerkannte Therapie-Methode wurde vom DFB entwickelt. Besserung  bringt nach dieser Denkschule eine Mischung aus Quarantäne (Stadionverbot) und Sippenhaft.

wahre Fans: Der korrekte Stadiongänger. Regelübertritte sind ihm fremd. Körperliche Gewalt wird von wahren Fans als abstoßend empfunden, der Einsatz von Pyrotechnik gemäß der offiziellen Verbands-Vorgaben als gefährlich eingestuft und verbale Entgleisungen während des Spiels einer permanenten Selbstkontrolle auf politische Unbedenklichkeit unterzogen. Stehen vor allem in Dresden und Rostock auf der roten Liste.

Wermutstropfen, der umgangssprachlich für „insgesamt gelungenes Einsatzkonzept“. Ein Kritikpunkt, der das insgesamt positive Bild nachteilig beeinflusst. Bei Fußballspielen ohne Dresdner-Beteiligung kann dieser Kritikpunkt bis zu 120 Fans umfassen, die nach einem verlorenen Spiel das Feld stürmen, vier Ordner vermutlich mit Schlägen und Tritten leicht verletzen und zum Gästeblock rennen. Das gegenseitige Bewerfen mit Schneebällen und Plastikstangen kann die Polizei mit Schlagstöcken und Pfefferspray unterbinden.

Zigarettenbürschle die fränkische Variante des „so genannten Fans“. In Nürnberg sammeln sich viele bei den Ultras, einem typischen Zufluchtsort für Zigarettenbürschle.

Der DFB macht Schule

Nachdem der DFB nun hart durchgreift, Zeichen setzt, Konsequenzen folgen lässt; mit dem Ausschluss von Dynamo Dresden aus dem DFB-Pokal  die Schuldigen ihrer gerchten Strafe zuführt und den Fußball endgültig befriedet hat, soll dieses Modell nun auch in anderen Bereichen  Schule machen,  um Gewalt endgültig aus der Gesellschaft zu verbannen:

  • Einwohner Dresdens werden deutschlandweit gesperrt.
  • Jugendliche werden zunächst in Berlin und München von der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ausgeschlossen.
  • Alkoholkonsumenten werden für den Besuch von Volksfesten gesperrt.
  • Diskotheken werden geschlossen.
  • Eltern wird der Kontakt zu ihren Kindern untersagt.
  • Hunde dürfen nur noch im Zwinger gehalten werden,
  • Demonstrationen werden als Mittel demokratischer Partizipation verboten.
  • Migranten- und Hartz IV Ghettos werden aus den Städten ausgeschlossen.
  • Ab 2013 gilt zu Silvester Brot statt Böller.  Zuwiderhandlungen werden mit bundesweitem Straßenverbot belangt.
  • Der Weihnachtsmann wird wegen des Tragens eines waffenähnlichen Gegenstandes (Rute) für zunächst drei Feste durch den Osterhasen ersetzt.
  • Und der Stadt Leipzig werden die Fördermittel gestrichen, solange sie das Problem mit den Chaoten in Connewitz nicht in den Griff bekommt.