Traditionskunde: Dy-na-mo!

Es war eine Zeit, in der Trikot noch Jersey hieß, Spieler so lange bei Dynamo kickten, dass sie eigene Reime bekamen, das Double noch ein Doppelgewinn war und Dixi Dörner von Fans entkleidet wurde.  Dieser 43 Jahre alte Artikel gibt Einblicke in die Fanszene der SG Dynamo Dresden. Nach dem erstmaligen Gewinn von Meisterschaft und Pokal widmete ihr die Neue Berliner Illustrierte (NBI) einen mehrseitigen Artikel. In der 2.-Juli-Ausgabe von 1971 berichtet Autor Ullrich Wernicke über die Fangesänge, die Leidenschaft und die Verrücktheiten unserer Väter. Auch mahnende Worte in Richtung von Problemfans fehlen nicht.  Bemerkenswert sind Stil und Ausdruck, die man so bestenfalls noch im Kulturteil findet und doch mit Sätzen, die auch heute genau so stehen könnten. Dynamo war auch schon damals anders! Continue reading “Traditionskunde: Dy-na-mo!”

In einer Stadt vor unserer Zeit

Eine Textstellle gegen das Vergessen in den maroden Ostlergehirnen:

„Görlitz …. Jahrzehntelang verrottete diese östlichste deutsche Stadt ungestört vor sich hin. Wer Anfang der Neunziger hier mit dem Zug anlangte, am besten an einem Winter-Spätnachmittag, der erlebte eine Atmosphäre, die man nur als verwunschen bezeichnen kann: Alles stand noch, unbehelligt, aber das Leben schien merkwürdig zurückgewichen aus den Straßen und Plätzen. Die Straßenbeleuchtung fehlte weithin, auf den Bürgersteigen boten einzelne Stände Waren beim Licht kleiner Feuer feil. (…) Die Leute schienen in dieser Stadt weniger zu wohnen als zu kampieren, wie Barbaren in einer eroberten Siedlung. Nur das Kaufhaus, das heute, im Jahr 2013, leer steht und um Verwendung bettelt, erstrahlte in überirdisch warmem Weihnachtsglanz.“

Eindrucksvoll beweist Burkhard Müller mit seinem Artikel „Die perfekte Kulisse“ auf zeit.de, dass Klischee-Journalismus längst nicht mehr auf Fußballfans reduziert ist. Der Osten im Allgemeinen geht auch. Deshalb wird auch er für den Spuckelch der Saison 2013/14  nominiert. Continue reading “In einer Stadt vor unserer Zeit”