Aufpasser

Das Informationszeitalter macht alles kaputt und mich krank. Es nimmt mir den Halt, die Orientierungspunkte.
Kinder die auf Bolzplätzen kicken oder auf Spielplätzen rumrüpeln, Schlammtorten für Tortenschlachten backen, ihre ersten Heldentaten auf Klettergerüsten vollbringen vermisse ich ja schon gar nicht mehr. Die sind – denken wir mal optimistisch – von Kabelprogramm und Videospielen verführt worden. In letzter Zeit wird mir aber zunehmend ein trauriges Phänomen bewusst, was einen Teil meiner deutschen Identität zu zerstören droht. Ich rede nicht vom sukzessiven Verschwinden der Vorzeigefirmen Opel, Karstadt/Quelle oder Salamander.
Ein alltäglicheres Problem lässt mein Sicherheitsgefühl abhanden kommen: das schrittweise Verschwinden der Aufpasser an den Fenstern und der verdeckten Ermittler hinter stets strahlend weißen Gardinen. Kein falsch geparktes Fahrrad, kein Kindergeschrei beim Ballspiel, kein fallengelassenes Butterbrotpapier entging dieser Aufpasserkohorte. Immer auf der Suche noch solchen und denen, die die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährden. Aber zunehmend fühle ich mich unbeobachtet und das verunsichert mich.
Es könnte an einer wachsenden Unterbeschäftigung liegen, die sich mit der sinkenden Zahl rüpelnder Kindern (siehe dazu oben) einstellt. Erklärt es aber nicht wirklich. Die steigende Zahl anpassungsunwilliger ausländischer Hausbewohner, bunthaariger Quertreiber, orientierungsloser Töchter und proletarisierter Ossis könnte diese Beschäftigungslücke leicht schließen.
Eine alternative Betrachtungsweise weist auf demoskopische Ursachen hin. Die alte Garde stirbt weg und es gibt keinen ausreichend motivierten und geschulten Nachwuchs – quasi ein Spiegelbild aller gesellschaftlicher Probleme. Seien wir doch mal ehrlich, egal ob Fußballer, Wirtschaftsbosse, Musiker oder Politiker – früher waren doch wirklich alle besser. Was fehlt ist der Nachwuchs, der heiß genug ist, nicht um des kurzfristigen Erfolges Willen Karriere zu machen. Es war ein entbehrungsreiches Leben, welches für das Wohl und Wehe der Hausgemeinschaft in Kauf genommen wurde, häufig verbunden mit wüsten Schimpfereien, persönliche Angriffen oder Ignoranz. Nur in ganz seltenen Fällen wurde mal ein Wort der Dankbarkeit verloren. Und ich gebe zu, ich habe es auch nicht zu schätzen gewusst. Aber jetzt, da sie weg sind …
Um ganz ehrlich zu sein, ich sehe den wahren Grund beim Lieblingsfeind aller Intellektueller und Andersdenkender: dem Fernsehen. Wo früher Oma Schulz und Opa Herrmann stundenlang an einer Stelle verharren mussten, um leider oft recht unbefriedigenden Ordnungsverstöße zu ermitteln, ist es heute sehr viel einfacher. Sie nehmen einfach das Kissen vom Fensterbrett und gehen direkt mit den Gesetzeshütern aller Couleur auf Streife. Im Fernsehen. Der Vorteil liegt im Gefühl einer höheren Erfolgsbilanz. An einem Nachmittag eröffnen sich Perspektiven, von denen selbst die Aufpasser in den exklusivsten Wohngegenden (Neubau mit ausladendem Innenhof, zu wenigen Parkplätzen, Lebensmittelladen im und Restaurant neben dem Haus, schriftlich aushängender Hausordnung und turnusgemäßen Mieterversammlungen) nur träumen konnten. Neben Falschparken und Hausordnungsdelikten konnte auch noch ein prüfender Blick auf die hygienischen Bedingungen der Lebensmittel verarbeitenden Branchen geworfen werden. Zudem stand alles geschrieben und es gab ein Forum, zur öffentlichkeitswirksamen Präsentation ihrer Rechercheergebnisse. All dies wird jetzt von den Aufpassern bei taff und von Patschek und Broti an Spannung übertroffen. Echte Besuche bei echten Assis, Blicke in Wohnungen, unter Küchentische, über Tresen, in Pfannen. Es wird bestätigt, was man schon immer wusste aber selbst hatte man ja nie diese Möglichkeiten wie im Fernsehen. Immer blieb nur der Blick durch das Fenster oder den Türspion. Verbunden damit stellt sich vielleicht auch ein Gefühl der Perspektivlosigkeit ein – mit dem, was da im Fernsehen aufgedeckt wird, kann ich doch eh nicht mithalten. Ich aber sage: Doch Sie können es! Nie war Ihre Arbeit an der Basis wichtiger als heute und nie die Karrieremöglichkeiten größer – die Chance auf Anerkennung. Nehmen Sie wieder Ihren Fensterplatz ein! Gerade bei uns im Osten. Wo fehlende Werte das gegenseitige Morden bestimmen, viele Blumenkästen verdächtig gut gedeihen und sich die Frage aufdrängt, warum die im dritten Stock in einer 4Raumwohnung leben, obwohl sie immer nur mit einem Kind zu sehen sind. Die Inge ist auch schlanker geworden. Ziemlich schnell. Von wegen neue Diät …
Von einigen Altersweisen ihrer Branche können Sie sicher auch noch wichtige Tipps bekommen, wie Sie hinter das Wahlverhalten des Einzelnen kommen und es beeinflussen können. Sicher geht es heute, anderes als früher, in erster Linie darum, Quertreiber von der Wahl fern zu halten. So können Sie ganz persönlich ein Stück zum gesamtdeutschen Wohl beitragen. Der Osten wird endlich humanisiert und demokratisiert. Keiner muss mehr Angst haben, hier sein Kind oder noch schlimmer eine Wahl zu verlieren.
Bitte, bleiben Sie am Brett!

60 Jahre Zeitzeugen

60 Jahre ist es her. 60 Jahre, dass es endgültig vorbei war. Den zweiten Krieg innerhalb von 27 Jahren verloren. Das steckt kein Volk so leicht weg. Zeitzeugen haben Konjunktur. Es wird in verschütteten Bunkern rumgekrochen, um das wirklich allerletzte Geheimnis zu lüften. Die Kamera ist dabei und zeigt einen rostigen Stahlhelm und verbeulte Teller. Es müssen also beim Kampf um Berlin wirklich Soldaten in diesem Bunker gewesen sein, die höchstwahrscheinlich auch gegessen haben. In ostdeutschen Wäldern wühlen Archäologen in der Erde, um sich von Betonklötzern erzählen zu lassen, wie deren Leben als Raketenabschussrampe so war. Luftaufnahmen lassen uns wissen, das die Schützengräben der Deutschen an den Seelower Höhen tatsächlich gen Osten gerichtet waren.
Wie es da drinnen zuging erzählen die Überlebenden. Von denen es heute noch so viele gibt, dass ich mich frage, ob das mit dem Krieg denn auch wirklich so stimmt. Sie erzählen, wie sie das Ende erlebten und wir arbeiten auf. Immer neue und neuere Details über den Niedergang werden berichtet. Grundsätzlich waren die Deutschen auch nur Menschen, die von der Heimtücke des Krieges überrascht wurden. Die letzten Kriegstage bestimmen unseren Alltag. Fasst scheint es, ich wäre dabei gewesen. Zu welchem Schuss der Einzelne gekommen ist, wie er die Zerstörung seiner Kinderstube ganz persönlich erlebte, wann er das letzte mal Hitlers Bärtchen sah oder gar kurz die feuchte Nase von Führerschäferhündin Goldie spürte. Welche Endsieghoffnungen der Pimpf bei der Verteidigung der Brücke in Hintertupfing hegte oder wie es prägte, im Bombenkeller von Mama gestillt zu werden.
Klar und deutlich kommt heraus, was für harte und ungerechte Zeiten unsere Großeltern aushalten mussten – unter Hitler. Also; in den letzten 2 Jahren und als er sie dann allein gelassen hat. Vorher gab es ja weniger Anlass sich zu beschweren.  Da wurde versprochen, gebaut, gejubelt, Arbeitsplätze geschaffen und gesiegt. Ein neues Selbstwertgefühl inklusive. Das war nach 1918 schon etwas angeknackt. Wer verliert schon gerne einen Krieg? Jetzt sah es aber ganz anders aus. Ohne einen Schuss mehr Boden gutgemacht als zwischen 14 und 18. Und dann erst mit einigen Schüssen und Blitzkriegen … Von Sieg zu Sieg geeilt. Es blieb auch noch genug Zeit, gemeinsam ins Grüne zu fahren, am Lagerfeuer zu singen, Heldengeschichten von der Front zu lauschen und über den Feindsoldaten zu lachen. Mit erhabenen Gefühlen wurde auf Feldern gestanden und in sich aufgesogen, was der Führer so zu schreien hatte. Viele saßen schon auf gepackten Koffern, in freudiger Erwartung auf ein Eigenheim auf kleiner Scholle tief im Osten des neuen Reiches. Der kleine Mann interessiert sich ja nicht so für Politik, führte sein normales Leben weiter und nimmt mit, was er kriegen kann. So als Herrenvolk ließ es sich schon eine Weile aushalten. Doch aus heiterem Luftraum sah es plötzlich gar nicht mehr so gut aus. Der Zorn des Feindes entlud sich auf unseren historischen Stadtkernen. Was haben wir gelitten! Klar waren wir in unseren fetten Jahren auch zornig. Aber das kam zumindest aus einem Volk, das einen gerechten, ja historischen Anspruch darauf hat.
Wie irritierend muss es gewesen sein, dass es der amerikanische, britische und russische Soldat völlig an Respekt gegenüber dem Arier fehlen ließ. Der deutsche Soldat war zunehmend überfordert, den Frontverlauf stabil und weg von der Heimat zu halten. Und dann war alles kaputt. Man war niemand mehr im eigenen Land. Das ein Krieg so aussieht hat ja nie jemand gesagt..
Und alles nur wegen Hitler! Typisch Politiker, viel versprechen und nichts halten.

Das Welterbe ist tot, es lebe die Brücke!

s ist geschafft! Dresden wird sich von der Willkür einer erpresserischen, gänzlich undemokratischen Weltmacht befreien! Der UNESCO wird ihr Welterbetitel nach fünf Jahren wieder vor die Füße geschmissen. Sollen sich doch andere mit dem Stück Papier, von dem man sich nichts kaufen kann, rumärgern.
Damit stehen Elbflorenz mit Stolz an die Seite von Qabus ibn Said al-Said, seines Zeichens Sultan des Oman, Alleinherrscher des bisher einzigen Landes, das von der von der Welterbeliste gestrichen wurde. Dort wurde ein Naturschutzgebiet um 90 % verkleinert, um Erdöl und Gas zu fördern. Verständlich – schließlich fahren Autos mit Benzin und nicht mit seltenen Antilopen- und Vogelarten.
Dank der so schnell zurück gewonnenen Souveränität über Beton und Stein kann jetzt weiter gebaut werden. Zunächst die Brücke und sicher finden sich bald andere Projekte, die es an die Hänge und auf die Wiesen an der Elbe zu verwirklichen gilt. Denn das ehemals geschützte Elbtal ist lang und die Wiesen breit. Genug Platz für einige Baukastenhäuser und Parkplätze! Die Brücke löst zwar das Stauproblem in der gesamten Stadt; Alle können ungehindert von Arbeit nach Hause und von zu Hause auf Arbeit, in den Supermarkt, die Kneipe und zum Shoppen, Kino flitzen. Doch auch der Dresdner kann nicht immer nur fahren. Auch er braucht Orte, wo er seinen geliebten Boliden abstellen kann. Von denen gibt es noch viel zu wenige. Was läge da näher als etwas des nutzlosen Grüns der Elbwiesen abzuzwacken. Beton drauf und eine weiterer Quantensprung für eine autofreundliche Stadt wäre gemeistert.
Durchgesetzt haben wir uns gegen die ewig gestrigen Fortschrittsverhinderer und Bio-Öko-Linken, die sich beharrlich bemühten die Brücke zu verhindern, an einer Stelle, von der Max Goldt (schwul! und sicher auch ein Linker) schrieb, dass es der wohl schönste Spazierweg Deutschland sei. Aber wer will denn spazieren gehen! Wenn man künftig für einen Blick auf die Altstadt nicht mal mehr aus dem Autos Steigen muss.  Etwas erhöht und unbelästigt von all dem krabbelnden Getier. Allein für die wachsende Zahl Allergiker ein Segen. Denen blieb der Dresdner Kulturblick ja bisher hinter verquollenen Augen verborgen. Die Brücke als gesundheitsbewusster Touristenmagnet!
Und obwohl die meisten Volksentscheid-Ja-Sager  die Brücke nie nutzen werden und die Elbwiesen nur als Baufundament kennen, wussten sie, was richtig ist! Nicht so jene ewig Gestrigen. Sie erdreisteten sich, Verwirrung in den Reihen der Brückenbauer zu stiften und einen Tunnel als Kompromiss vorzuschlagen. Einen Tunnel! So teuer und niemand würde sehen, wo das ganze Geld steckt. Millionen können doch nicht einfach vergraben werden.
Das wahre Potential wurde am schnellsten von den Vorzeigedemokaten der kommunalen FDP erkannt. Neue Touristenattraktionen ließen sich schaffen! Wirtschaftsbürgermeister und Oberbürgermeisterkandidat a. D., Dirk Hilbert, ist von dem monumentalen Bauwerk so überzeugt, dass er  ein Elbebad unter den Bögen der Brücke als Nummer eins Attraktion der Stadt herbeivisioniert. Planschen zwischen den Brücken, umhüllt von Abgasen – Urlaub im Feinstaub. Das ist wahrer liberaler Fortschrittsglaube.
Nach wie vor klammert sich eine handvoll linker Ökos an das Welterbepapier und phantasiert von Verantwortung gegenüber dem Rest der Welt. Welchem Rest der Welt? Dresden ist doch der Mittelpunkt. Jeder Geld abgebende Tourist ist auch künftig willkommen. Das Geld für die Frauenkirche haben wir gerne von Nichtdresdnern genommen. Aber bitte nur das Geld! Kritik, wie wir unsere Stadt gestalten um den Titel zu verlieren, ist nicht gefragt.
Und wenn es dieser Verein demnächst ablehnt Titel an die Kulturnation Deutschland zu geben, dann ist dies ein weiterer Beweis für dessen Willkür. Wie kann die sich die UNSCO überhaupt erdreisten, der Mutter aller Kultur zu erklären, wie sie mit ihrem Kind umzugehen hat?
Die sollen sich lieber um die Dritte Welt kümmern. Die Neger zerbomben am laufenden Krieg das bisschen Kultur was sie haben. Da sei uns der kleine Luxus gegönnt, ein paar Meter Wiese zu zerbauen, um einige Minuten weniger im Auto zu sitzen. In Autos, die immerhin einen höheren Wohnkomfort haben als die Hütten dieser kriegsgeilen Hungerleider!
Gegen die Abholzung des Regenwaldes, skrupellose Wal fangende Norweger, aussterbende Koalas und gemeuchelte Robbenbabys reihen wir uns natürlich gern in jede Unterschriftenliste ein.  Aber was sind schon Fledermäuse und Käfer vor der Haustür, solange sie mit den Zauberworten „Mehr Arbeit für alle“ und „schneller Autofahren“ in Verbindung zubetoniert werden können.
Und wann wird Dresden endlich für seinen späten Mut gewürdigt, über den eigenen Schatten gesprungen zu sein? Seit der Wende wurde uns immer wieder vorgeworfen, wir würden alles blockieren, was angeblich nicht ins Stadtbild passt. Aber was nicht ins Stadtbild passt, entscheiden immer noch wir! Die Brücke tut es. Schließlich fahren Autos drüber.

Freudenhaus

Im künstlerisch-intellektuell geprägtem Dresdner Hechtviertel sind Frauen, die sich im klassischen Sinne als solche zu erkennen geben eine Minderheit, es wird viel Wert auf innere Werte gelegt!
Mein Auge kennen äußere Werte nur noch vom nächtlichen Bierkauf.
Denn es gibt ein Freudenhaus im Viertel! Die branchentypische Illumination lässt zwar eher eine Freudenetage vermuten, da es mir bisher aber wahlweise an Neugier, Verzweiflung oder Geld fehlte, um mir persönlich ein Bild vom Innenleben zu machen, phantasiere ich von einem Haus der Sünde.
Integriert, in das Haus, nicht die Etage, ist ein Spätshop, mit für Spätshopverhältnisse geradezu offener (ich möchte sie beinahe freundlich nennen) Bedienung. Alles andere wäre auch geschäftsschädigend, ließe sich hier zu Recht einwerfen. Jedenfalls mausert sich dieser Laden zu meinem bevorzugten nächtlichen Ort des Vorsätze über den Haufen Werfens. Der frühabendlichen Vernunft, nicht jede Nacht Bier trinken zu müssen, habe ich nach Sonnenuntergang nicht mehr viel entgegen zu setzen. Also bin ich mal kurz Bier holen. Und da ich schon mal dabei bin, inkonsequent zu sein, setze ich dem ganzen noch die Krone auf und suche den Teufel Alkohol im Sündenpfuhl. Auf dem Weg dahin komme ich an der St. Pauli Ruine vorbei, ohne spürbare Auswirkungen auf mein Seelenheil. Handelt es sich doch eine Kirche a. D. mit einem Name, der für den religiös unterbelichteten Menschen nach Unterwelt, Sittenverfall, Triebhaftigkeit, Seemannsromantik klingt. Das imaginäre Flair meines Kietzes erwacht.
Das Bier wird mir von meine niederen Instinkte ansprechenden Damen über den Tresen gereicht. Natürlich muss es sich bei ihr um eine Mitarbeiterin aus besagter Etage handeln, die sich an ihrem freien Tag etwas dazu verdient. Vielleicht ist sie Werbeträgerin, um den Mann, der alleine ist oder es lieber wieder wäre, vom Tütensuppeneinkauf auf einen Konsumwunsch zu bringen, der im chauvinistischen Sinne des Wortes auch was mit Tüten zu tun hat. Bei mir wirkt das nicht. Noch kann ich mir einreden, für Sex nicht bezahlen zu müssen, weil ich es nicht kann. Außerdem meldet sich in mir noch immer ein Rest meines jugendlichen Idealismus’, dass die Frau in mir einen begehrenswerten Don Juan und nicht einen Geldschein mit Schwanz sieht. Anderseits wäre es in ihrem Berufsleben sicher eine Bereicherung mal unter einem Highpotential arbeiten zu dürfen.
Ich kaufe aber nur ein und genieße den anrüchigen Akt, des optischen Kontaktes mit einer Dirne. Dabei lege ich Wert auf unverkrampfte Umgangsformen. Natürliches Auftreten signalisiert der Verkäuferin, dass ich sie nicht als Ware sehe sondern als Mensch akzeptiere. Als wüsste ich nicht ganz genau, womit sie ihr Studium finanziert! Ist ja auch nur ein Job der ihr hilft, in einer harten Zeit mit dem Arsch an die Wand zu kommen. Ich schaue ihr bei meiner Bestellung stets ins Gesicht und setze mein unverbindliches Lächeln auf, wie bei jedem beliebigen Verkaufsgespräch. Nur wenn sie in der Kasse das Wechselgeld sucht oder sich nach den Flaschen bückt, ruht mein Blick auf ihrem Kapital.
Sehe ich bei NETTO eine Frau, die ihre körperlichen Qualitäten zu Recht nicht versteckt und dabei eine offensive Einstellung zu Make Up, Frisur und Brustvergrößerung zur Schau stellt, ertappe ich mich bei Spekulationen über ihren Arbeitsplatz. Kauft sie auch noch überwiegend Pausensnacks, werden meinen Hypothesen schnell sehr horizontal. Das ist natürlich Quatsch. Die Echten haben ja einen Spätshop im Haus.

Finanzkrise frisst Familie auf

Papa, ich will BWL studieren.“ „Mein Traum ist es, bei einer großen Bank zu arbeiten.“ Noch vor Jahresfrist zauberten derartig solide Berufswünsche des Zöglings ein selbstgefälliges Lächeln auf die Gesichter zufriedener Eltern. Alles richtig gemacht! Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute brauchen Jugendliche viel Mut zu einem solchen Financial-Coming-Out. Was geht in den Eltern vor, deren Sprösslinge ihre Zukunft auf dem Finanzmarkt sehen? Was, wenn plötzlich der Bad Banker in der eigenen Familie sitzt? Wir trafen einen Vater, der sein Schweigen bricht. Thorben Tilman (Name geändert) sitzt in der Wohnküche. In der Reihenhaussiedlung hat sich die Familie eingerichtet. Alles sauber, alles geordnet. Man kennt sich und achtet aufeinander. Doch seit wenigen Wochen ist alles anders. „Beim gemeinsamen Abend Essen fragte ich ihn, was er denn mal werden will“, erinnert sich der Vater „Bankkaufmann, vielleicht studiere ich auch BWL, war die Antwort. Dabei schaute er nichtmal auf. Schob sich einfach die nächst Gabel Rahmgeschnetzeltes in den Mund. In dieser Nacht weinte sich meine Frau in den Schlaf.“ Seitdem ist die ökologisch korrekte Welt des Verwaltungsangestellten aus den Fugen geraten. Er sieht müde aus. Schlaflose Nächte, die Sorge um seinen Sohn und der Druck aus der Nachbarschaft haben den Mittvierziger altern lassen. Die Fältchen um die Augen sind tief, die Haut blass und das Haar grau. Kaum etwas erinnert an den vitalen Mann auf den Fotos, die im Bücherregal aufgereiht sind und von einer scheinbar glücklichen Familie erzählen. Fehlt in der Nachbarschaft irgendwo ein Euro, heißt es schnell, deren Sohn ist doch bei ’ner Bank. Auch wenn noch gar nichts entschieden ist, haben sie ihr Urteil schon gefällt. Gespräche verstummen, wenn Thorben Tilmann an ehemals guten Nachbarn vorbei gehe. Hinter seinem Rücken werden die Köpfe zusammengesteckt. „Ich kann ihre Blicke spüren. An der Kasse im Supermarkt steht er immer allein, trotzdem warte ich am längsten“, sagt Tilman und drückt seine dritte halb aufgerauchte Zigarette nervös in den Aschenbecher. „Eigentlich habe ich zur Geburt von Lucas aufgehört zu rauchen.“ Es soll eine Entschuldigung sein, klingt aber eher wie ein Vorwurf. Immer wieder stellt er sich die gleichen bohrenden Fragen: Warum ausgerechnet mein Sohn? Warum habe ich nichts gemerkt? Wie konnte das eigen Fleisch und Blut so abgleiten? Es gab genug Hinweise, kleine Zeichen für die schiefe Bahn, auf die sein Sohn geraten würde. „Die Kinder vom Nachbarn sind doch auch normal. Neulich erst hat sie die Polizei nach Hause gebracht, weil sie am Bahnhof Drogen an Minderjährige verkauft haben.“, Tilman redet sich in Rage. „Dabei haben sie doch früher mit meinem Jungen gespielt. Rückblickend fällt es mir auf, dass er schon damals sich abgeschottet hatte. Nie prügelte er sich, nur manchmal bewarf er andere Kinder mit Dreck, streute ihnen Sand in die Augen. Er baute immer so gerne auf Sand. Oft erzählte er uns von riesigen Luftschlössern, die er bauen wolle. Doch daraus wurde nur selten etwas. Meist waren es nur Sandburgen und kleine Sandbrötchen. Ich habe ihn trotzdem Mut gemacht, ihn in seinem Tun bestätigt.“ Heute wissen die Tilmans, dass sie zu lange weggeschaut haben. Als Lukas anfing, seine Wochenplanung den Eltern als Powerpointpräsentation per BlackBerry zu verschicken, war das Ehepaar Tilman noch stolz, wie gut er sich mit den neuen Medien auskennt. Doch dann begann er sich täglich zu rasieren, seine akkurate Frisur bringt zwei Mal im Monat der Friseur in Form. Er geht in die Oper, nie zum Punkkonzert oder auf Heavy Metal Festivals. Nichtmal für Fußball interessiert er sich. Die Eltern schöpften Verdacht, dass mit ihrem Lucas etwas nicht stimmt. „Beim Aufräumen hat meine Frau dann solche Schmutzblätter in seinem Zimmer gefunden. Sie wissen schon Financial Times, Handelsblatt und so.“ An diesem Abend stellte Tilman seinen Sohn zur Rede. Jetzt wollen sich die Tilmans professionelle Hilfe suchen. In Frankfurt am Main gibt es eine Selbsthilfegruppe für Bänkereltern. „Wir begleiten die Eltern zurück in den Alltag. Dabei helfen oft schon Gespräche mit anderen Opfern, die ihnen zeigen, dass sie nicht allein mit ihrem Problem sind“, fasst Hans-Stefan Kuppke vom SpekulationsKinder e. V. das Ziel des Vereins zusammen. Er rät davon ab, die Kinder unter Druck zu setzen. Dies schlage eher ins Gegenteil um. „Sie müssen ihre eigenen Erfahrungen im Haifischbecken mache. Die meisten bleiben aber für immer in den Fängen des Kapitals“, macht Kuppke wenig Hoffnung. Doch es gab auch schon Fälle, in denen die Betroffenen aus einer geplatzten Spekulationsblase wieder auf den Boden fielen. Ein Strohhalm der Hoffnung für viele Eltern, auch für die Tilmans. Lucas erklärte erst heute Früh, dass er einen Anzug für das Vorstellungsgespräch brauche. Das Geld dafür hatte er nicht. Deshalb forderte er familiäre Finanzhilfe, schließlich sei er für die Familie systemimmanent. „Wir haben ein bisschen was zurückgelegt. Fürs Alter und das neue Auto. Das muss jetzt warten. Lucas wird das Geld brauchen. Er bleibt doch unser Sohn“, sagt Thorben Tilman und gibt sich zum Abschied kämpferisch „Vielleicht kommt er ja doch noch zur Vernunft und entscheidet sich für was vernünftiges. Schauspieler, Musiker oder Maler.“

Sarrazin macht Dresdnern Mut

Der Thilo kämpfte nun auch in Dresden für den Erhalt Deutschlands. Die Ortswahl an sich überraschte mich bereits. Vom Hocker haute mich, dass die Dresdner einen deutschlandweiten Sarrazinlesungsbesucherrekord aufstellten. Obwohl sie von den zentrale angeprangerten Missständen soviel Ahnung haben dürften, wie der Blinde von der Farbe.
Sarrazins medialer Thesenanschlag und die pflichterfüllte “Daswirdmajanochsagendürfen”-Hysterie gingen weitgehend, an mir vorbei. Weder aktiv noch passiv nahm ich daran teil. Das Thema überstieg meine Kompetenzen in Genetik und Sozialpolitik (Ausrede! Mangelndes Fachwissen hinderte bisher keinen Journalisten daran, sein aufdringliches Urteil zu verbreiten). Nein, es war schlichtes Desinteresse. Also ehrlich! Das Thema böser Migrant ist rund um Berlin eine Totgeburt. Für die Ostländer ist der Ausländer in der Opferrolle vorgesehen.
Mit einigem Engagement könnte man jeden in Dresden lebenden Ausländer persönlich kennenlernen. Beim Kauf von Döner, Pizza, Obst und Kitsch. Die dazu gehörigen Türken, Italiener, Vietnamesen machen einen recht integrationswilligen Eindruck, gemessen an deutscher Sprachfertigkeit, Freundlichkeit, Arbeitswut und kaum erkennbarer religiöser Bekenntnisse.
Hier sind es die Deutschen von nebenan, die sozial abgehängt und ungebildet zu viele Kinder bekommen, die Schule schwänzen und auf der Straße für kriminellen Druck sorgen.
Kurz: Die Gefahr, in wenigen Jahren arabisch statt sächsisch zu hören, durch den Ruf des Muezzins statt der Radiowerbung für Spielcasinos (Yes we game) geweckt zu werden oder verschleierte statt farbenfroh gesträhnte Frauen zu sehen, ist in Dresden als äußerst gering – wenn teilweise auch wünschenswert – einzustufen.
Dennoch stellte meine Stadt den Besucherrekord bei Sarrazin auf. Immer wieder wurden seine mahnenden Worte von Jubelrufen und Applaus unterbrochen. Die erste Vermutung, dass seine bisherigen Tourstationen in der Provinz lagen, ist falsch: In München und Berlin las er vor kleinerer Kulisse. Ist die Abschaffung dort schon so weit gediehen, dass sich nichtmal 2250 Kulturdeutsche fanden, um Sarrazin zu lauschen?
Ein kompetenter medialer Reflex wäre auch, die sehr … konservative politische Orientierung der Dresdner. Alles falsch! Es kann nur einen Grund geben: Die Begeisterung – und zwar pur – über den Lauf der Geschichte. Der Sarrazinbesuch war Informationsabend, Mutmacher, Licht am Ende des Tunnels in einem. Alle wollten es nochmal mit eigenen Ohren hören, sich vorrechnen lassen, wie lange es noch dauert, bis Westdeutschland sich selbst abgeschafft hat. So erklären sich Jubel und Applaus in der Halle. Zwei, drei Generationen noch, dann haben wir den Westen doch überlebt.

Was hat Dynamo Dresden, das RB Leipzig nicht hat?

Der Unterschied zwischen Dynamo Dresden und RB Leipzig? Es gibt keinen. Historisch gesehen.
Diese Meinung klingt nach lebenslangem Stadionverbot und Ächtung als anerkannter Dynamo Fußballfan.
Beide Vereine (auch wenn RB im klassischen Sinn kein Verein ist) sind künstliche Produkte ihrer Zeit. Gezeugt von den Mächtigen. Kinder der Ideologie. Rasenball vom Kommerz. Dynamo von der Politik. Ziel war es in beiden Fällen, dem Erzeuger über Erfolge im Massenprodukt Fußball ein positives Image zu verschaffen.
Die viel bemühte TRADITION Dynamos hat ihren Ursprung nicht in einem verrauchten Kneipenhinterzimmer.
Wir erinnern uns: Es waren keine idealistischen Fußballverrückte, die 1953 Dynamo gründeten, sondern von knallhart kalkulierenden Bonzen aus den Sicherheitsbehörden. Denn der Name Dynamo stand nunmal für die Sportvereinigungen der inneren Sicherheitsorgane der DDR. Für die jüngeren Leser: Dazu gehörte neben der Polizei auch die Stasi. Ketzerisch betrachtet, ist da ein Brausekonzern als Geburtshelfer das kleinere Übel.
Dresden Fußballtradition vor 1953 zu bemühen, um Dynamo aus dem Schlamassel raus zu bekommen, wäre genauso lächerlich, wie RB in die Tradition des VfB Leipzig zu stellen.
Das Märchen, die SGD wäre permanent das Opfer von Schiebung und Betrügervereinen gewesen, ist schlichte Realitätsleugnung. Gut, der DDR-Meistertitel war ein Jahrzehnt tabu. Der war für Mielkes  noch wichtigeres Hauptstadtspielzeug reserviert. Trotzdem hat es gereicht, um Dauergast auf Europas Fußballbühne zu sein. Wirkliche Benachteiligung  sieht anders aus.  Fragt man mal bei den so verhassten BSG Mannschaften nach. Heute werden die erfolgversprechendsten Spieler vom Kommerz-Verein weg gekauft. Damals wurden sie halt delegiert. In beiden Fällen eine Demonstration der jeweiligen Machtverhältnisse.

So bitter es ist, Tradition, die Dynamo inzwischen reichlich hat, ist eine Frage der Zeit und wird  – so Mateschitz will – auch mal RB erreichen.
Mit dem Club schuf sich der Konzern auch die passenden Zuschauer. Es ist  nicht der schmutzige nach Bier, Zigaretten, Schweiß und Aggressionen stinkenden, pöbelnde und randalierende Mob, sondern der Fußball und Merchandising konsumierende Kunde.  Fraglich ist allerdings, ob diese Edelfans, für ihren Verein auch Leiden können oder nach Misserfolgen nur irgendwie traurig sind und sich mit „es ist ja nur ein Spiel“ trösten. Identitätsstiftend wirkt erst das gemeinsame Erleben von dramatischen Momenten, in denen Legenden geboren werden.  Vereinsübergreifende Beispiele: 3:7, Meister der Herzen,  Lizenzentzug, die 102 Sekunden von Barcelona, Rickens 17 Sekunden Tor.
Irgendwann werden vielleicht auch die ersten RB Fantrikots und Schals nicht mehr nach Werbung und Erfolgsversprechen duften,  sondern nach Tränen und  Angstschweiß stinken. Und sei es, weil Mateschitz plötzlich die Lust am Geld ausgeben verliert, weil die Rendite nicht stimmt.

Glaubensbekenntnis

Dynamo Dresden – Ihr seid doch? Genau! Die Bremse der Fußballspaßgesellschaft. Die Ontologie des Proletensports. Die Feldstudie soziologischer Ursachenforschung von Fangewalt. Das Schwarze am Gelben.
Wo wir gastieren bleibt kein Stein auf dem anderen. Wo wir Gastgeben ist kein Stein auf dem anderen.
Gerne präsentiert sich die zum Verein gehörende Stadt als Musterschüler des Ostens. Wirtschaftswachstum, Frauenkirche, Semperoper, Grünes Gewölbe, (noch) Weltkulturerbe – der Frühling einer blühenden Landschaft ist angebrochen. Dagegen hat der selbsternannte Traditionsverein seit Jahren die Sonne nicht gesehen und täuscht vor, solide daran zu arbeiten, dort hinzukommen, wo er nach eigener Einschätzung hingehört. Und wir Fans glauben daran.
Es mag heute paradox klingen, der Erfolg hat mich zu Dynamo geführt. Das Erreichen des Halbfinales im UEFA-Cup 1989 und der spielerische Glanz von Mathias Sammer, Ulf Kirsten, Hans-Uwe Pilz und Ralf Minge verstellten mir den Blick auf eine zukunftorientierte Lieblingsvereinswahl. Die zwei Jahre später gesicherte Qualifikation für die Bundesliga wurde als normal hingenommen und der im Größenwahn vollzogene Niedergang nahm seinen Lauf.
Schon immer begleitete Dynamo die Gewissheit, von den Mächtigen der Fußballschattenwelt betrogen zu werden. In den goldenen Jahren zahlreicher DDR Vizemeisterschaften waren wir Stasi-Mielke ausgesetzt, der die Schiedsrichter die verhassten Dynamos aus Berlin zur Meisterschaft pfeifen ließ. In der Bundesliga mussten wir uns nun nach vierjährigem galliergleichen Kampf gegen die Übermacht aus der Stadt des Römers geschlagen geben. Lizenzentzug, Regionalliga – als müssten die Rolling Stones durch Baumärkte tingeln.
Spätestens seit dieser Schmach tragen Dynamofans das D wie ein selbst auferlegtes Stigma mit einer Mischung aus Stolz und Trotz. Unabhängig von der Liga ist die Stadionruine voll, egal was die verantwortlichen Balltreter unserer Netzhaut antun.
Entsprechend ernst nehmen wir uns. Ununterbrochen wird sich bei jedem der es hören muss dafür gerechtfertigt, warum Dynamo ein Traditionsverein und die Nummer 1 im Osten ist, wir auch friedliche Fans haben und im Stadion fast nie Naziparolen zu hören sind. In schwachen Momenten schiele ich dann schon mal etwas neidisch auf die Selbstironie St. Paulis oder die fröhliche Unverkrampftheit Mainz’ oder Aachens.
Aber ab einem gewissen Punkt kann man es sich eben nicht mehr aussuchen. Es geht nicht mehr um das Feiern von Titeln, sondern um das Ertragen von Misserfolgen, getragen von der jährlichen Illusion auf bessere Zeiten. Dieses Wunschbild ist Resultat einer explosiven Mischung aus rigoroser Tatsachenignoranz und entrückter 70iger/ 80iger Jahre Traditionsvereinsselbstüberhöhung. Gladbach- und Kölnfans wissen wovon ich schreibe.
Für einen Augenblick waren wir in der Nähe unserer Welt. 2004 der Aufstieg in die 2. Liga. Von der Vereinsführung bis zum Mitläufer war es sofort jedem klar: eine Zwischenstation auf dem Weg zum internationalen Geschäft. Schließlich handelte es sich nicht um irgendeinen Zweitliganeuling, sondern um den international renommierten 1. FC Dynamo Dresden, mit der Erfahrung von 98 Europapokalspielen! Eine Zwischenstation war es tatsächlich – nur in die falsche Richtung.
Nicht verzagt handelte man in dynamotypischer Manier. Der sofortige Wiederaufstieg wurde in Form von achtzig Tischtennisbällen in eine Glasvase gepfercht und an Trainer Pakult übergeben. Für jeden erspielten Punkt sollte ein Ball an Geschäftsführer Köster zurückgehen. Doch erst verschwand Pakult Richtung Wien, dann gerieten die Vase und schließlich der Aufstieg in Vergessenheit. Trainer Meier ist offenbar kein Freund von (Tischtennis)Bällen.
Aber in der kommenden Saison wird alles besser! Mit einem Sportdirektor, einem hauptamtlichen kaufmännischen Geschäftsführer und dem Stadionneubau wird der um ein Jahr verlängerte sofortige Wiederaufstieg vervollständigt.
Eine gesunde Mannschaft mit international erprobten Nationalspielern aus Zwergstaaten und vereinslosen Zweit- und Drittligasöldnern dominiert die Regionalliga. Dieser vorsaisonale Fakt des Aufstiegs ist so sicher, dass ich ihn zwar freudig aber nicht ekstatisch registrieren werde. So wie sich ein Bayern-Fan fühlt, der zum was weiß ich wievielten Mal irgendeinen Titel „feiert“; die Anstrengungen glaubwürdiger Euphorie ins Gesicht geschrieben.
Eine Saison kann ich damit durchaus leben! Schließlich sind wir die Bayern des Ostens!

Juni 2007

Willkommen Marco

Da isser wieder! Tränenüberströmt verfolge ich den Heimflug. Ich kann die Befreiung des Casanovas Marco aus den Klauen der Muezzine und Muselmanen kaum fassen! Endlich wieder im Kreis der Lieben. Weihnachten ist gerettet. Unser nationales Glück ist kaum zu fassen. 477 Jahre nach der Belagerung Wiens konnte das Abendland erneut einen Angriff der islamischen Horden auf unsere Heiligtümer abwehren. Den Urlaubsflirt. Eingerührt aus dem Zwang zu Hause Ergebnisse vorweisen zu müssen, verstärkt mit Alkohol, unkontrolliertem Kuss- und Grabschszenen.  So ist das und unser Liebesmarco war doch noch in der Ausbildung. Selbst geübten Augen ist es kaum möglich vom Aussehen eines Mädchens auf deren exaktes und vor allem legales Alter zu schließen. Und mit 17 Jahren fehlt einfach die Erfahrung im Urlaub die Richtige abzuschleppen. Das gilt fürs Alter genauso wie für die Nationalität. Es kann schomal passieren, dass es eine blasse, schwammig, verklemmte von der Insel wird. Als wäre Gigolo Marco mit dieser englischen Entlgleisung noch nicht genug gestraft, rennt die Kleine zur Polizei und die besitzt ernsthaft die Unverschämtheit einen von uns ins Gefängnis zu stecken. Ein feuchtes dunkles Loch, in dem es keine Ablenkung gab als Tag ein Tag aus Schach oder Volleyball zu spielen, Fern zu sehen oder zu lesen. Zu allem Überfluss wurde der kleine Verführer von seinenWärtern – mit ziemlicher Sicherheit grausam, düster dreinblickenden Osmanen – auch noch auf brutalste Art gezwungen Englisch zu sprechen und ein wenig türkisch zu lernen.

Armer Marco. Aber jetzt geht es dir ja wieder gut. Daheim in Uelzen. In der ganzen Stadt lieben sie dich. Vor lauter Erregung über deine Freilassung werfen sich die Kleinstadtlolitas in Schale, um in deiner Nähe ein Stück deiner neuen Mischung Leidenschaft, Gefahr und Knastluft zu spüren. Du wirst 13-Jährige aus dem Vollen schöpfen können. Und hier zu Hause ist das ja alles kein Problem!