Guck mal Dresden, so wird das gemacht

7000 Euro zahlt Dynamo für die Böller in Fürth.  Die Aktion wurde wohl von den Werfenden als legitime Vergeltung für die Schiedsrichterleistung verstanden. Naja.

Für die “Pyroshow” in Dusiburg steht der Urteil noch aus, wird aber nicht zimperlich ausfallen.

Über Sinn und Unsinn solcher Aktionen soll jetzt mal kein Wort verloren werden.

Aber wie jedes Kind weiß: Wenn schon verbotene Dinge tun, dann doch wenigstens nicht erwischen lassen. Ist das denn zu viel verlangt?

Wie eine Kurve brennen kann, ohne dass es die Medien und UEFA bemerken, haben die Zürichfans in München gezeigt…. 

 

 

Heller-Counter

Lieber Marcel, gegen Duisburg Großchance Nummer 4 versemmelt.  Wohlwollend gesagt, war es diesmal immerhin nicht spielentscheidend. Auch wenn’s nach dem Ausgleich wahrscheinlich anders gelaufen wäre….

Deshalb startet jetzt der Heller-Counter: Vergebene 100ige Chancen. Es haben natürlich alle Spieler die Chance auf einen Eintrag.

Gezählt wird, wie vielen Punkten so ein Grab geschaufelt wurde. Auf die naive Art: Endergebnis + nicht erzielte Tore.

Gesamtwertung

Spiel Der Heller Ergebnis Punktegrab
Rostock (H) M. Heller (3) 1:1 2
Duisburg (A) M. Heller (1) 0:3 0

Soweit möglich mit Videobeweis

Was bisher geschah:

Dynamo gegen Rostock (2. Spieltag)

Heller (11.), spielt Müller aus, Kostal kratzt den Ball von der Linie

Heller (21.) im bewegten Bild:

http://www.youtube.com/watch?v=2zmws-BE14o

Gegen Duisburg (6. Spieltag)

Heller (47.), Allein vorm Tormann aber er ist halt nicht Schnetzler

Fußballgott schaute endlich mal wieder weg

So muss es sein. Nach der Zaubervorstellung gegen Union folgte eine ernüchternde, nicht eingeplante Niederlage gegen Paderborn. Es war in den vergangenen Wochen  aber auch zu viel des Guten. Der Fußballgott, bei dem ich überzeugt war, dass er Dynamo nichtmal vom Namen kennt, kippte unkontrolliert sein Füllhorn über Dresden aus. Aufstieg, Leverkusen, Union. Geschichte wurde beinah im Wochenrhythmus geschrieben. Als sollte alles Leid der vergangenen 20 Jahre in wenigen Wochen wieder gut gemacht werden. Eine Überdosis Erfolgserlebnisse, machte es mir schwer, meine SGD wiederzuerkennen. Aber gegen Paderborn hatten wir kein Glück (Pfosten) und dann kam auch noch Pech der Schiedsrichter dazu. Es geht also noch!

Nur nach Kochs Anschlusstor keimte in mir die Befürchtung, am Ende den glücklichen Ausgleich zu schaffen und schon wieder eine epische Aufholjagd für den bierseligen Saisonrückblick hinzulegen. Doch es reichte endlich mal wieder zu einer frustrierenden Niederlage gegen einen namenlosen Verein, der im gewohnt unbescheidenen Dynamo-Kosmos unter der Kategorie “Kanonenfutter” verbucht wurde. Endlich gibt es mal was über die Spieler zu meckern, vielleicht findet sich ja doch noch ein Fehleinkauf. Cidimar scheint da auf einem guten Weg.

Jetzt, da ich weiß, es geht noch in der gewohnten Richtung, sollte gegen Duisburg zumindest ein dreckiger Sieg her!

Chaosliga kommt schlecht aus den Startlöchern

Saisonauftakt geschafft und vermasselt. Nicht weiter schlimm. Noch kann eine Niederlage mit Phrasen-Drescherei schön geredet werden. Lehrgeld bezahlt. Die ersten Pflaumen sind immer madig. Mund abputzen…

Das war dann aber auch schon die einzige öffentlich gewordene Drescherei des Derbys.

Und so ist die Enttäuschung in den Schreibstuben landauf landab groß. Wurde doch extra zum Saisonauftakt die Feder gespitzt, um sich in die Kriegsberichterstattung zweite Liga zu stürzen.  Die Süddeutsche ließ Dynamo und Energie auf Bewährung spielen. Tat auch die Sächsische und sieht die Liga auf “Krawalle programmiert”. Der Auftakt in diese gefährlichste 2. Liga aller Zeiten  verlief jedoch nicht ganz optimal. Obwohl am Freitag mit Eintracht, Cottbus und Dresden gleich drei böse Buben am Start waren.  Wohl ein fieser Programmierfehler!

Doch, Augen auf, es bleibt gefährlich in Liga 2: Der Donaukurier kann trotz ausgebliebener Krawalle in Cottbus mitnichten Entwarnung geben. Die Berliner Morgenpost beschreibt die Furcht vor den Chaoten-Fans, kann aber den gut auf den 1. Spieltag getimten Artikeln nicht mit Liveberichterstattung garnieren. Denn trotz Dresden Niederlage blieb es “immerhin friedlich, dank rigoroser Fantrennung und Alkoholverbot” – so einfach ist das also!

Nachichtlich also kein guter Start. Denn wie fußball.de vorrechnete, drohen 17 Mal Krawalle. Allein in der Hinrunde! Nach dem vermasselten Auftakt, sind’s nur noch 16 Drohungen. Aber das wird schon noch! Vor allem wir Dynamo-Fans haben ja auch einen Ruf zu verlieren.

Bis dahin: Stellung halten!

Was hat Dynamo Dresden, das RB Leipzig nicht hat?

Der Unterschied zwischen Dynamo Dresden und RB Leipzig? Es gibt keinen. Historisch gesehen.
Diese Meinung klingt nach lebenslangem Stadionverbot und Ächtung als anerkannter Dynamo Fußballfan.
Beide Vereine (auch wenn RB im klassischen Sinn kein Verein ist) sind künstliche Produkte ihrer Zeit. Gezeugt von den Mächtigen. Kinder der Ideologie. Rasenball vom Kommerz. Dynamo von der Politik. Ziel war es in beiden Fällen, dem Erzeuger über Erfolge im Massenprodukt Fußball ein positives Image zu verschaffen.
Die viel bemühte TRADITION Dynamos hat ihren Ursprung nicht in einem verrauchten Kneipenhinterzimmer.
Wir erinnern uns: Es waren keine idealistischen Fußballverrückte, die 1953 Dynamo gründeten, sondern von knallhart kalkulierenden Bonzen aus den Sicherheitsbehörden. Denn der Name Dynamo stand nunmal für die Sportvereinigungen der inneren Sicherheitsorgane der DDR. Für die jüngeren Leser: Dazu gehörte neben der Polizei auch die Stasi. Ketzerisch betrachtet, ist da ein Brausekonzern als Geburtshelfer das kleinere Übel.
Dresden Fußballtradition vor 1953 zu bemühen, um Dynamo aus dem Schlamassel raus zu bekommen, wäre genauso lächerlich, wie RB in die Tradition des VfB Leipzig zu stellen.
Das Märchen, die SGD wäre permanent das Opfer von Schiebung und Betrügervereinen gewesen, ist schlichte Realitätsleugnung. Gut, der DDR-Meistertitel war ein Jahrzehnt tabu. Der war für Mielkes  noch wichtigeres Hauptstadtspielzeug reserviert. Trotzdem hat es gereicht, um Dauergast auf Europas Fußballbühne zu sein. Wirkliche Benachteiligung  sieht anders aus.  Fragt man mal bei den so verhassten BSG Mannschaften nach. Heute werden die erfolgversprechendsten Spieler vom Kommerz-Verein weg gekauft. Damals wurden sie halt delegiert. In beiden Fällen eine Demonstration der jeweiligen Machtverhältnisse.

So bitter es ist, Tradition, die Dynamo inzwischen reichlich hat, ist eine Frage der Zeit und wird  – so Mateschitz will – auch mal RB erreichen.
Mit dem Club schuf sich der Konzern auch die passenden Zuschauer. Es ist  nicht der schmutzige nach Bier, Zigaretten, Schweiß und Aggressionen stinkenden, pöbelnde und randalierende Mob, sondern der Fußball und Merchandising konsumierende Kunde.  Fraglich ist allerdings, ob diese Edelfans, für ihren Verein auch Leiden können oder nach Misserfolgen nur irgendwie traurig sind und sich mit „es ist ja nur ein Spiel“ trösten. Identitätsstiftend wirkt erst das gemeinsame Erleben von dramatischen Momenten, in denen Legenden geboren werden.  Vereinsübergreifende Beispiele: 3:7, Meister der Herzen,  Lizenzentzug, die 102 Sekunden von Barcelona, Rickens 17 Sekunden Tor.
Irgendwann werden vielleicht auch die ersten RB Fantrikots und Schals nicht mehr nach Werbung und Erfolgsversprechen duften,  sondern nach Tränen und  Angstschweiß stinken. Und sei es, weil Mateschitz plötzlich die Lust am Geld ausgeben verliert, weil die Rendite nicht stimmt.

Glaubensbekenntnis

Dynamo Dresden – Ihr seid doch? Genau! Die Bremse der Fußballspaßgesellschaft. Die Ontologie des Proletensports. Die Feldstudie soziologischer Ursachenforschung von Fangewalt. Das Schwarze am Gelben.
Wo wir gastieren bleibt kein Stein auf dem anderen. Wo wir Gastgeben ist kein Stein auf dem anderen.
Gerne präsentiert sich die zum Verein gehörende Stadt als Musterschüler des Ostens. Wirtschaftswachstum, Frauenkirche, Semperoper, Grünes Gewölbe, (noch) Weltkulturerbe – der Frühling einer blühenden Landschaft ist angebrochen. Dagegen hat der selbsternannte Traditionsverein seit Jahren die Sonne nicht gesehen und täuscht vor, solide daran zu arbeiten, dort hinzukommen, wo er nach eigener Einschätzung hingehört. Und wir Fans glauben daran.
Es mag heute paradox klingen, der Erfolg hat mich zu Dynamo geführt. Das Erreichen des Halbfinales im UEFA-Cup 1989 und der spielerische Glanz von Mathias Sammer, Ulf Kirsten, Hans-Uwe Pilz und Ralf Minge verstellten mir den Blick auf eine zukunftorientierte Lieblingsvereinswahl. Die zwei Jahre später gesicherte Qualifikation für die Bundesliga wurde als normal hingenommen und der im Größenwahn vollzogene Niedergang nahm seinen Lauf.
Schon immer begleitete Dynamo die Gewissheit, von den Mächtigen der Fußballschattenwelt betrogen zu werden. In den goldenen Jahren zahlreicher DDR Vizemeisterschaften waren wir Stasi-Mielke ausgesetzt, der die Schiedsrichter die verhassten Dynamos aus Berlin zur Meisterschaft pfeifen ließ. In der Bundesliga mussten wir uns nun nach vierjährigem galliergleichen Kampf gegen die Übermacht aus der Stadt des Römers geschlagen geben. Lizenzentzug, Regionalliga – als müssten die Rolling Stones durch Baumärkte tingeln.
Spätestens seit dieser Schmach tragen Dynamofans das D wie ein selbst auferlegtes Stigma mit einer Mischung aus Stolz und Trotz. Unabhängig von der Liga ist die Stadionruine voll, egal was die verantwortlichen Balltreter unserer Netzhaut antun.
Entsprechend ernst nehmen wir uns. Ununterbrochen wird sich bei jedem der es hören muss dafür gerechtfertigt, warum Dynamo ein Traditionsverein und die Nummer 1 im Osten ist, wir auch friedliche Fans haben und im Stadion fast nie Naziparolen zu hören sind. In schwachen Momenten schiele ich dann schon mal etwas neidisch auf die Selbstironie St. Paulis oder die fröhliche Unverkrampftheit Mainz’ oder Aachens.
Aber ab einem gewissen Punkt kann man es sich eben nicht mehr aussuchen. Es geht nicht mehr um das Feiern von Titeln, sondern um das Ertragen von Misserfolgen, getragen von der jährlichen Illusion auf bessere Zeiten. Dieses Wunschbild ist Resultat einer explosiven Mischung aus rigoroser Tatsachenignoranz und entrückter 70iger/ 80iger Jahre Traditionsvereinsselbstüberhöhung. Gladbach- und Kölnfans wissen wovon ich schreibe.
Für einen Augenblick waren wir in der Nähe unserer Welt. 2004 der Aufstieg in die 2. Liga. Von der Vereinsführung bis zum Mitläufer war es sofort jedem klar: eine Zwischenstation auf dem Weg zum internationalen Geschäft. Schließlich handelte es sich nicht um irgendeinen Zweitliganeuling, sondern um den international renommierten 1. FC Dynamo Dresden, mit der Erfahrung von 98 Europapokalspielen! Eine Zwischenstation war es tatsächlich – nur in die falsche Richtung.
Nicht verzagt handelte man in dynamotypischer Manier. Der sofortige Wiederaufstieg wurde in Form von achtzig Tischtennisbällen in eine Glasvase gepfercht und an Trainer Pakult übergeben. Für jeden erspielten Punkt sollte ein Ball an Geschäftsführer Köster zurückgehen. Doch erst verschwand Pakult Richtung Wien, dann gerieten die Vase und schließlich der Aufstieg in Vergessenheit. Trainer Meier ist offenbar kein Freund von (Tischtennis)Bällen.
Aber in der kommenden Saison wird alles besser! Mit einem Sportdirektor, einem hauptamtlichen kaufmännischen Geschäftsführer und dem Stadionneubau wird der um ein Jahr verlängerte sofortige Wiederaufstieg vervollständigt.
Eine gesunde Mannschaft mit international erprobten Nationalspielern aus Zwergstaaten und vereinslosen Zweit- und Drittligasöldnern dominiert die Regionalliga. Dieser vorsaisonale Fakt des Aufstiegs ist so sicher, dass ich ihn zwar freudig aber nicht ekstatisch registrieren werde. So wie sich ein Bayern-Fan fühlt, der zum was weiß ich wievielten Mal irgendeinen Titel „feiert“; die Anstrengungen glaubwürdiger Euphorie ins Gesicht geschrieben.
Eine Saison kann ich damit durchaus leben! Schließlich sind wir die Bayern des Ostens!

Juni 2007