EIL +++ Rettungseinsätze in Dynamo-Fan-Zügen nach Nürnberg

So hat man Dynamofans noch nie gesehen!

Als am späten Sonntagvormittag die ersten nur zur Hälfte gefüllten Züge aus Dresden in Nürnberg einrollten, bot sich den Menschen auf dem Hauptbahnhof ein Bild des Grauens.

Eilig verständigte Rettungskräfte konnten die schrecklichen Zustände nur notdürftig beheben. Die Wagons und Abteile der aus dem Osten einrollenden Regionalzüge waren sauberer als beim Betriebsausflug der Stadtreinigung Dresden! Auf den Plätzen saßen schwarz-gelb gekleidete Personen, bei denen es sich auf den ersten Blick um Fans von Dynamo Dresden zu handeln schien. Doch dann das pure Entsetzen: Mit klarem Blick lösten sie schweigend Kreuzworträtsel, spielten Schach, lasen oder debattierten mit gedämpfter Stimme über die Vorteile von Investoren im Profifußball. Andere halfen der Zugbegleiterin dabei, die Gänge von herumliegenden Kaugummipapieren zu befreien.

Für die alarmierten Rettungskräften waren die Symptome eindeutig: pathologische Unterhopfung und akuter Promille-Mangel. Reaktionsschnell hatten Ersthelfer bereits versucht, ein paar Bier in den Zug zu reichen. Sie wurden von anwesenden Bundespolizisten rigoros zurück gedrängt.

Immerhin war per Allgemeinverfügung erlassen worden, dass am Sonntag in den Zügen von Dresden nach Nürnberg weder Glasflaschen noch Getränkedosen mitgeführt werden dürfen.  Kein Bier zum Auswärtsspiel: Das Ende für Hunderte asozialer Fußballfans. „Kein normaler Mensch trinkt Bier aus Plasteflaschen. Das wussten auch die Cops“, kommentiert ein Kenner der Szene die Ereignisse im Zug. Einige hatten auf den alt bewährten Edelstahlflachmann zurückgegriffen. Doch das reichte natürlich hinten und vorne nicht, um sich vor dem Spiel traditionell ordentlich einen rein zu brühen.

Erst außerhalb des Bahnhofsgebäudes konnten die Dynamofans mit dem Notdürftigsten versorgt werden. Einige ließen sich „die Plembe“ gleich an die Vene anschließen, um es noch rechtzeitig ins Stadion zu schaffen.

Doch für viele kam jede Hilfe zu spät.

So wurde besonders traurige Fälle bekannt, in denen so genannte Fans im Vogtland ausstiegen, um ins Plauener Spitzenmuseum zu gehen, statt sich „den ganzen Sonntag mit diesem sinnlosen Fußball um die Ohren zu schlagen“. Andere sprangen noch nach der Grenze in Hof auf den Bahnsteig, um zu ihren Familien zurückzukehren.

„Diese ganze Auswärtsfahrerei sei doch nüchtern betrachtet nur eine transzendentale Flucht aus der Realität der eigenen Existenz“,  stammelte ein nüchterner Dynamofan, bevor ihm die rettende Hülse an die Lippen gesetzt wurde.

Kurz darauf konnte bei ihm, wie auch bei den meisten seiner Kumpanen, Entwarnung gegeben werden. Da zogen sie schon wieder unbeschwert pöbelnd, zerstörend  und plündernd durch Nürnberg in Richtung Frankenstadion.

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8 thoughts on “EIL +++ Rettungseinsätze in Dynamo-Fan-Zügen nach Nürnberg”

  1. Auch wenn ich als Club-Fan Außenstehender bin: Ich finde das witzig! Herrlich Humorvoll, endlich mal keiner der sachlich-nüchternen Berichte. Gut so!

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